Seit 2006 nehme ich regelmäßig an dem "Gedichtwettbewerb der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte" teil. Hier sind meine Werke, die in den jährlich erscheinenden Anthologien bis 2012 veröffentlicht wurden:
moratorium
aufgespürt von der unruhe boten flieht alles eitle
entweicht die wärme aus den augen und schickt das nichts ins dasein
verdrängt die poesie des herzschlags doch klärt der seele gruben
angebrannte federreste zeugen vom daunenkissen der gefühle
sie geistern noch immer im windspiel der gedanken
ein wenig schwerfällig und angenüchtert doch nicht vollends sinnentleert
tanzen sie wirbelnd über den letzten psychokohlen
des sterbenden feuers vergangener nächte und träume
verschmelzen sich umarmend in der hitze sich berührender zeiten
verkleistern freundlich der hoffnung weiche lider
die daneben ungesattelt auf einem hinkenden stuhl sitzt
und vor wie zurück denkt über den sinn des seins und meins
denn die zukunft hat meistens nur noch wenig geschmack
wenn der qualm der bestatteten liebe in den gereizten nüstern sitzt
doch wird sie geduldig pusten und schaukeln auf diesen kurzen beinen
so lange bis der große mülleimer des lebens kommt in dem die ewigkeit wartet
(Veröffentlichung 2012: Ausgewählte Werke XV der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte)
pfadfinder
ein kühles loch im zahn der zeit
füllte unsere zwielichtigen vorwürfe
die nun verzettelt an der pinnwand
ihr buntes licht in den stillen flur streuen
dieses farbenspiel findet den direkten weg
durch meinen offenen mund
zur einsamen platte meiner argumente
die sich hohl im schatten deines rückzugs dreht
auf dem boden der tatsachen kauernd
betrachte ich die kahle stelle in der luft
die sich selbstsicher an deinem geruch festkrallt
und mir lächelnd einen wegweiser zuwirft
doch bevor ich der frischen fährte folgen
kann reiche ich mir eine hand von innen
und helfe beim einsteigen in das kleine boot
das mich über den ozean der selbstmitleids bringen soll
(Veröffentlichung 2011: Ausgewählte Werke XIV der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte)
Treibhaus
Du glühst sehr grell Du Frucht der Liebe
Im Lampion meiner Seelentriebe
Die Blätter rot an Deinen Zweigen
Lassen selbst den Wind verneigen
Der durch Dich bläst und heiß sich kühlt
Da er des Wesens Hitze fühlt
Du schwebst ganz leicht in diesem Reiche
So ohne Wurzeln überm Teiche
Darin die Tränen unserer Herzen
Sich sammelten aus fernen Schmerzen
Du ziehst daraus dir leise Kraft
Aus diesem dunklen, bitt´ren Saft
Doch was wenn eines Tages dann
Der Teich verebbt und ausgedorrt
Und wenn kein Schmerz lässt fließen mehr
Die Tränen hin zu diesem Ort
Wird auch die Frucht vergehen und welken
Weil ihr des Herzens Nahrung fehlt
Wird nie ein Spund sie finden mehr
Und bleibt sie gänzlich ungeschält
Oder schmeckt sie gerade nun
So zuckersüß wie Feen-Winter
Den sie zwar nur vom Namen kennt
Doch der bleibt stets dahinter
(Veröffentlichung 2010: Ausgewählte Werke XIII der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte)
aufruhr suchen die seelen
silbernes windrad krächzt im glanze der nacht
singt ein hauch des windes
netter baum biegt zur erde sich sacht
melodie des stillen kindes
aus weiter ferne braust sturm heran
gespenst gigantisch und groß
unsichtbar schwer filigran
pflückt leer der erden schoß
windrad schreit haus fällt um
baum leis weint kind bleibt stumm
erneut vereint schreie der welt
schießen vorbei baum ist gefällt
um diesige lampen verschwommener schimmer
pulsierend sie verschließt
kometenhaft sich aus gläsernen zimmern
in eiserne lüfte ergießt
füllen der sphäre gebären des raums
schaffen das jetzt und das hier
atmen zerfließt und kreischende ruhe
tobt nun unendlich in mir
(Veröffentlichung 2009: Ausgewählte Werke XII der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte)
schlangenherz
auf trocknem feld in einer furche
da liegt ein brennend herz
es klopft und röchelt vor sich hin
vernattert ist’s am schmerz
da weilt es nun im tal der tränen
und glüht so lichterloh
doch keine träne kommt zum kühlen
der himmel schimmert roh
hört auch nicht auf zu warten
kein weg führt mehr zurück
zerdrückte es doch ganz das leid
was wär’ dies für ein glück
die nässe und der morgentau
sind längst von ihm gewichen
da liegt es nun still heißverklumpt
bis seine tat beglichen
den kelch, den es dir schenkte
das loch in deinem leben
wenn dies nun alles nicht mehr wär’
könn’st du ihm wohl vergeben
(Veröffentlichung 2008: Ausgewählte Werke XI der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte)
traumes vase
rose mit sommernachtsdüften steigst aus den lüften
den ewigen hinab zu zeigen die dornen
zu erblühen mit sorgen zu enthüllen die wahrheit
die einzige wahre ergreift dich begreift sich
niemals allein sind die knospen der seelen solange du mein
gehöre ich dir und hege und pfleg dich
bis bald du erstrahlst noch mehr als zuvor
und scheinst unerreichbar und wild
wie ein längst vergessenes bild aus blutstein und marmor
mein traum erfüllt sich einen wunsch der in ihm wühlt
seit dem er lebt der sich erhält dass er dich hält
in seiner leere sei der sinn dass er dich nähre
bis obenhin der nektar fließt und keiner weiß wie du genießt
jetzt ragst du auf vor ihm und brennst so tief heraus
stichst ihn sanft wach dass er erlöst von seiner schmach
die last zu spiegeln tag zur nacht und nacht am tag
bleib ihm treu du erden rot und unsere lieb besiegt den tod
mit freuden teilen wir die macht und alles böse sei um seinen glanz gebracht
(Veröffentlichung 2007: Ausgewählte Werke X der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte)
Insomnia
Mein fluchend Herz, es ist entfacht
Und brennt so lichterloh
Die Flammen steigen steil empor
Doch meine Seele lacht
Sie hofft auf Dich, auf Dein Gefühl
Du Größte aller Feen
Drum lösche und befreie uns
Lass es doch bald geschehen
Dein Schweigen mich so rasend macht
Vergrabe mich in Dir
Und weiß doch nicht, was Du nun machst
Wo bist Du, komm zu mir
Die Ewigkeit, sie schenk ich Dir
Traust Du mir denn nicht
Nichts auf der Welt mir heilig ist
Vereinst Du Dich mit mir
Vertraue mir, ich schwör Dir nichts
Was ich nicht halten kann
Und soll dies eine Lüge sein
So nagle mich daran
Noch nie empfand ich dieses Leid
Den zuckersüßen Schmerz
Dies Brennen und den Wunsch allein
Von Dir erfüllt zu sein
(Veröffentlichung 2006: Ausgewählte Werke IX der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte)
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